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Geschichte der Tellspiele Interlaken
1912 hatte August Flückiger, ein Lehrer von Matten bei Interlaken die Idee, mit seinen Schülern einige Szenen aus Friedrich Schillers Drama aufzuführen. Dieses Ansinnen wurde mit so viel Begeisterung aufgenommen, dass er sich kurz darauf an die damals existierende «Dramatische Gesellschaft» in Interlaken wandte, um das ganze Stück auf die Bühne zu bringen. Damit wurde 1912 der entscheidende Grundstein für die TELL-Freilichtspiele Interlaken gelegt, die fortan jährlich auf dem Rugen bei Matten zur Aufführung gelangten.

Einzig unterbrochen während den beiden Weltkriege 1914–1918 und 1939–1945, begann die nunmehr bald 100-jährige Erfolgsgeschichte eines Kulturguts im Berner Oberland. Jahr für Jahr finden 25'000–30'000 Zuschauer den Weg zum Rugen, um in der einzigartigen Natur Schiller und seine Schauspiel-Crem zu bestaunen.

Sämtliche Darstellerinnen und Darsteller sind Laien aus der Region Interlaken-Thun-Bern und Berner Oberland, vom Hauptrollenträger bis hin zum Statisten. Sie alle verbindet die Freude am Tellspiel, der Applaus eines zufriedenen Publikums und die familiäre Atmosphäre innerhalb der Schauspieltruppe. Hier treffen Kinder die ältere Generation, der Handwerker tauscht sich mit dem Akademiker in ungezwungener Stimmung aus, die Städter erlenen den Umgang mit den Tieren. So führt einer der Bödeli-Bauern bei jeder Vorstellung seine Kühe von Wilderswil zum Tellspiel-Areal für den berühmten Alpabzug. Dank der Reiterei entsteht auf der weitläufigen Naturbühne eine eigene Dynamik, die das Drama mit zusätzlicher Spannung erfüllt.

Um Erneuerungen kommen auch die Traditionsspiele nicht herum. So wurde in den 1990er Jahren das gesamte Bühnenbild saniert. Aufgrund einer Abstimmung des Tellspiel-Vereins ist auf das Jahr 2002 eine neue technische Errungenschaft möglich geworden: seither werden die Sprechrollen mit Mikrophonen unterstützt.

Dadurch wird das eher plakative Spiel stark verfeinert; denn wichtiges Instrument zur Erzeugung von Gefühlen ist die menschliche Stimme. Mit der Tonanlage sind Feinheiten möglich geworden, die bisher verborgen bleiben mussten.