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Sven Allenbach, Regisseur
allenbach_sven_webSven Allenbach, Regisseur  
Sven Allenbach ist in Ringgenberg am Brienzersee aufgewachsen. Nach erfolgreichem Abschluss der Lehre als Hochbauzeichner, absolvierte er in Spiez die eidgenössische Matura. Bereits während der Maturazeit wechselte Sven Allenbach in den Journalismus. Zuerst beim Berner Oberländer, später beim Regionalfernsehen TeleBärn. Zwei Semester lang studierte er an der Uni Bern Theaterwissenschaften und Journalismus bevor er sich 2001 voll auf seine Arbeit bei TeleBärn konzentrierte. In den letzten elf Jahren war er in der Realisation, Moderation, Produktion, Regie und Planung tätig, vor allem im Bereich Sport. Seit 2004 ist er zudem als Comedian in der ganzen Schweiz unterwegs. Bis jetzt sind unter seiner Regie drei abendfüllende Comedy Programme entstanden, zuletzt „mänh@ten".
Bei den Tellspielen in Interlaken spielte Sven Allenbach sieben Jahre lang den Arnold von Melchtal und die letzten vier Jahre die Hauptrolle des Wilhelm Tell. 2011 war er ausserdem Regieassistent von Monika Wild. Sven Allenbach wohnt mit seiner Familie in Wilderswil, ist verheiratet und Vater von zwei Kindern.

Gedanken des Regisseurs zur Inszenierung 2012
„Ich bin's Herr Landvogt." Mit dieser Begegnung von Gessler und Tell beginnt die Inszenierung auf dem Felsensteig im Schächental – Der alte Tell erinnert sich an die Ereignisse, welche sein Leben in den Grundfesten erschüttert und verändert haben – Die Kinder sind inzwischen ausgezogen, der Tell ein alter Mann, der das Glück hat, den Lebensabend zusammen mit seiner Frau Hedwig zu verbringen. Der „alte" Tell ist die Erzählfigur, welche durch das Stück von Friedrich Schiller führt. Vor seinem geistigen Auge spielen sich die dramatischen Ereignisse, die zum Sturz der Tyrannei geführt haben, noch einmal ab. Bei der Rückkehr von Tell zu seiner Familie kommt eine Figur hinzu, der Friedrich Schiller sehr viel Bedeutung zugeordnet hat: Johannes Parricida. Der Kaisermörder ist auf der Flucht und trifft auf Tell, als dieser von seiner Mordtat in der Hohlen Gassenach Hause zurückkehrt.

Die Inszenierung 2012 stützt sich ausschliesslich auf den Original-Schillertext von 1804. Die Eigenheit der Sprache, welche im Verlauf des Dramas immer wieder aussergewöhnliche Stimmungen kreiert, steht im Mittelpunkt. Als gestalterisches Mittel in Sachen Musik kommt Rossinis „Wilhelm Tell" zum Zuge. Der Gesamteindruck ist wichtig – Es sind jedoch immer auch die kleinen Details, welche am Schluss beim Publikum hängenbleiben. Diese Liebe zum Detail möchte ich mit meinen Schauspielerinnen und Schauspieler pflegen.

Interpretation
Im Kern und in der Aussage ist das Drama Wilhelm Tell genau so aktuell wie 1912 vor dem ersten Weltkrieg, genau so brisant wie bei der Uraufführung von 1804 – Als im selben Jahr Napoléon zum Kaiser der Franzosen gekrönt wurde. Es liegt leider inder Natur des Menschen, dass aus Macht oft Gewalt und Unterdrückung resultiert. Zeitlos ist der Stoff von Wilhelm Tell, und hat schon zu unzähligen Spekulationen und Interpretationen geführt.
Wilhelm Tell, oft glorifiziert, zum Teil schon fast zum Erlöser hochstilisiert. Er musste jedoch zum Mörder werden um seine Freiheit, dies einer Familie und die des Volkes zu erlangen. Ein Held wider Willen. Meine Interpretation des Dramas von „Wilhelm Tell" stützt sich in den wesentlichen Punkten auf die Aussagen von Friedrich Schiller. In einem Brief vom 7. April 1804 gibt August Wilhelm Iffland einige Verbesserungsvorschläge für die Inszenierung von Schillers Tell. Iffland war Schauspieler Intendant und Dramatiker, und spielte in der Berliner Aufführung die Rolle des Wilhelm Tell – Er kritisiert unter anderem die "Parricida Szene". Auf einige Korrekturen geht Schiller ein, in diesem Punkt hält er aber an seiner Fassung fest. Schiller begründet dies folgendermassen:

„Parricidas Erscheinung ist der Schlussstein des Ganzen. Tells Mord tat wird durch ihn allein moralisch und poetisch aufgelöst… die Hauptidee des ganzen Stücks wird eben dadurch ausgesprochen, nämlich: Das notwendige und Rechtliche in einem streng bestimmten Fall."

Friedrich Schiller, 1804
(Erläuterungen & Dokumente – Friedrich Schiller, Wilhelm Tell // Verlag Reclam)

Diese Aussage unterstreicht wie wichtig dieser Schluss für Friedrich Schiller ist. Deshalb muss eine klassische Inszenierung die Parricida Szene enthalten. Die Kernpunkte meiner Interpretation sollen aber nicht nur die Grundgedanken von Friedrich Schiller unterstreichen. Ich will eine klare Aussage an das Publikum weiter geben:

Alles Geschehene des Menschen strebt nach Hoffnung – Einschneidende Ereignisse hinterlassen aber auch Narben, denn die gute Seele trägt ein Leben lang und vergisst nie.

Wie auch immer das Drama von Friedrich Schiller gespielt und interpretiert wird, kommt eines klar zum Ausdruck: Wir können die Welt nur verändern, wenn wir die Welt in uns ändern.
Die Tellspiele Interlaken sind ein Ereignis in vielschichtiger Form. Ein Dorf aus dem Mittelalter, unzählige Tiere und nicht zuletzt 150 Darstellerinnen und Darsteller die einem auf eine unvergessliche Reise nehmen, zurück zu den Anfängen der Eidgenossenschaft. Ein Stück Schweizer Kulturgut. Alles andere als verstaubt, sondern traditionell erfrischend seit 1912.